Raumnahme im Münzviertel

Ein kollektives Zentrum ist am 12. Juli.2014 
in der leerstehenden ehemaligen Gehörlosenschule im Münzviertel eröffnet worden.

HH-Mittendrin berichtet: “Wiederholt hatte es aus dem Stadtteil Bestrebungen gegeben, das Gelände für den Stadtteil zu nutzen. Bisher lehnen die Behörden eine Zwischennutzung jedoch ab” (zum ganzen Artikel)

Aus Aktivistenkreisen heißt es:

“Wir nehmen uns diesen Raum für kulturelle, soziale und politische Begegnung!
Die Politik in Hamburg behindert und verhindert den Erhalt und die Schaffung solcher Räume. Eine Vielzahl von Flächen und Gebäuden, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befinden, stehen in Hamburg leer. Wir sind Initiativen und Personen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen und dafür Räume brauchen.

Verhandlungen mit der Stadt laufen regelmäßig ins Leere. Behördenvertreter_innen täuschen und vertrösten uns und geben eine angebliche Nichtzuständigkeit vor. Für eine solche Scheinbeteiligung verschwenden wir nicht länger Energie und Ressourcen, die wir für unsere eigentliche Arbeit viel sinnvoller einsetzen können. Menschen, die versuchen sich diese Leerstände zu nehmen, werden kriminalisiert und Repressionen ausgesetzt.

Aber wir wissen: Öffentliche Gebäude gehören uns allen! Wir als selbstorganisierte Stadtteilzentren, Nachbarschaftstreffs, soziokulturelle Einrichtungen, Wagenplätze, kollektive Gärten und Wohnprojekte fordern die mietfreie und kostenlose Raumnutzung dieser Flächen und Gebäude. Wir leisten auf verschiedenen Ebenen Beiträge für das Gemeinwesen. Diese dürfen nicht der Markt- und Verwertungslogik unterworfen werden. Wir zahlen nicht für unsere Arbeit! Schluss mit Mieten- und Profitzwang! Nebenkosten und sonst nix!

Wir gestalten diesen Raum selbst!

Wir möchten dieses Gelände selbstorganisiert verwalten und laden alle Initiativen und Projekte ein, daran teilzunehmen. Hierfür brauchen wir weder Behörden noch den Senat. Dieser Ort, an dem sich alle einbringen können, ist die beste Grundlage für eine alternative politische Arbeit, die sich an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen orientiert. Selbstverwaltete Strukturen und Netzwerke übernehmen Aufgaben, die für das Gemeinwesen in der Stadt notwendig sind, aber von Politik und Verwaltung ignoriert werden. Die sozialen Widersprüche werden zunehmend unerträglicher:

– täglich erleben wir in Hamburg, insbesondere im Münzviertel, die zynische Diskrepanz zwischen ungenutzten Gebäuden auf der einen, und Menschen, die auf der Straße leben und schlafen müssen, auf der anderen Seite

– im Quartier fehlen der Stadtteilinitiative, der Food-Coop Tante Münze, der Fahrradselbsthilfewerkstatt RadKüche und dem Cafe Exil Räume. Eine Vielzahl weiterer Initiativen und Projekte aus Hamburg , wie z.B. die Squatting Days, benötigen ebenfalls Räume für eine kritische Stadtentwicklung von unten

– die Kinder und Jugendlichen im Münzviertel haben keinen Spiel- und Bolzplatz und müssen zwischen Autos spielen

– es gibt im Münzviertel keine Flächen für sportliche Aktivitäten
- das Viertel ist grau, eng und laut. Es fehlen Grünflächen und Raum für Freizeitaktivitäten

– Flüchtlinge müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Hamburg braucht ein Refugee Welcome Center, welches Zuflucht, Vernetzung und Selbstbestimmung ermöglicht

– die ehemaligen Bewohner_innen der Esso-Häuser und der Woltmanstraße 20 wurden zu Opfern einer Stadtentwicklung, die systematischen Verfall für Wohnraum duldet, um Platz für Spekulation zu schaffen

Wir haben die Ignoranz der Hamburger Politik satt! Unsere Antwort heißt Besetzung! Hier stand bis heute ein Gelände mit mehreren Gebäuden, Turnhalle und Spielplatz komplett leer. Gerade die zentrale Lage ermöglicht die Schaffung eines Zentrums, das jeder Mensch nutzen kann.

Wir laden alle ein, das Projekt zu gestalten, die sich gegen Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer sozialen Lage, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder sonstigen unterstellten Andersseins positionieren!”